Keine Bedenken vor großen Fahrten

Im Winter verläuft hier eine Skipiste. Der Erdgaspassat über Saalbach Hinterglemm in Österreich. (Foto: Andreas Häberle - Teiledienstleiter im Autohaus Koch in Schwäbisch Hall)

Seit ein paar Jahren gibt es Erdgas als günstigere Alternative zum konventionellen Kraftstoff wie Benzin oder Diesel, viele Taxiunternehmen und kommunale Fuhrparkbetreiber setzen daher aus Kostengründen Erdgasfahrzeuge als Taxen und Flottenfahrzeuge ein. 1 Kilogramm Erdgas kostet momentan zwischen € 1,10 und € 1,15, mit 4 – 5 kg kommt man je nach Fahrzeugart- bzw. Gewicht, Fahrweise und Streckenverlauf  rund 100 km weit. Vergleichbar sind hierbei 5 – 7 Liter Dieselkraftstoff, welcher pro Liter zwischen € 1,30 und € 1,40 zu Buche schlägt. Der große Unterschied im Alltag ist jedoch der, das es im Vergleich verhältnismäßig wenig Erdgastankstellen gibt. Zwischen zwei Erdgastankstellen können schon mal 30 km Distanz liegen. Im Stadtgebiet von z. B. Heilbronn gibt es nur eine Erdgastankstelle, immerhin eine Stadt mit rund 100.000 Einwohner in unmittelbarer Nähe zu einem vielbefahrenem Autobahnkreuz in Weinsberg. Die nächste Tankmöglichkeit wäre da z. B. in Ellhofen oder Öhringen.

Wenn ich mich im Alltag mit meinem Radius weitgehend lokal bewege, wie auch zum Beispiel bei vielen Taxen üblich, kann ich mich mit meinem Tankverhalten darauf einstellen. Jedoch kommt einmal im Jahr die große Fahrt in den Urlaub, wo ich mich mit meinem Fahrzeug in mir unbekannte Gegenden begebe. Mit meiner Familie mit zwei Kleinkindern wage ich einen Selbstversuch und fahre dieses Jahr mit einem erdgasangetriebenem Fahrzeug. Testkandidat: der VW Passat Variant. Der 14-tägige Sommerurlaub 2014 in die Alpenregion kann kommen.

Fast jedem, dem ich im Vorfeld davon erzähle, reagiert darauf skeptisch. Für mich ein Indiz dafür, dass das Thema Erdgas im Fahrzeug noch nicht in aller Munde ist. Für mich selbst ist das Thema ebenfalls neu, jedoch lasse ich mich von meinem Verkaufskollegen am Fahrzeug einweisen und schaue mir zwei Tage vor der Abreise eine Erdgaszapfsäule mal genauer an. Mit solchen Vorbereitungen nehme ich mir die Unsicherheit vor diesem für mich neuem Thema. Im Internet gibt es Seiten mit Routenplanerfunktion, wo Erdgastankstellen angezeigt werden. Eine App für das Smartphone ist ebenfalls hilfreich. Das Navi in unserem VW Passat kann mich ebenfalls direkt zur nächsten Erdgastankstelle leiten. So gesehen eine narrensichere Angelegenheit. Vollgetankt habe ich ca. 30 Liter Benzin und rund 20 kg Erdgas an Bord, laut Anzeige eine theoretische Reichweite von 950 km. Mit der Erdgasfüllung komme ich rund 400 km weit. Wenn die Erdgasflaschen leer sind, schaltet das System automatisch um. Theoretisch könnte ich dann mit dem Benzin weiterfahren, will ich aber nicht. Mein Plan ist es, die gesamte Urlaubsfahrt komplett mit Erdgas zu fahren. Das heißt, ich sollte nach rund 300 km eine Erdgastankstelle suchen. Eine Erdgastankstelle kann dann schon mal bei den örtlichen Stadtwerken auf dem Betriebshof sein. Mit anderen Worten, runter von der Autobahn und rein in die Stadt. Ein mit einzuplanender Zeitverlust auf der Urlaubsfahrt.

Das erste Ziel unserer Urlaubsreise ist Saalbach Hinterglemm im Salzburger Land, Entfernung vom Wohnort knapp 500 km. In Ingolstadt, nach rund 230 km gefahrenen Kilometern tanke ich für € 19,08 17 kg Erdgas, somit komme ich ohne weiteren Tankstopp rein mit Erdgas bis zum Zielort. Hierbei sei erwähnt, dass der Erdgastank bei Abreise am Wohnort nicht ganz gefüllt war.
In der bergigen Region am Urlaubsort in Österreich ist die Nächste Erdgastankstelle in Zell am See rund 20 km entfernt. Die Zweite in Saalfelden, Entfernung vom Urlaubsort ca. 30km, wird leider gerade umgebaut und ist daher geschlossen.

Nach ein paar Tagen wechseln wir planmäßig den Urlaubsort und fahren in den Chiemgau in die Nähe von Rosenheim auf einen Bauernhof. In ländlichen und bergigen Regionen geht im Urlaub ohne Auto fast nichts, das Auto wird jeden Tag bewegt. Als Tagesausflügler fahren wir jeden Tag so zwischen 30 und 50 km. Die nächste Tankstelle (12 km Entfernung) ist bei den Stadtwerken in Rosenheim, eine andere am Irschenberg (30 km), in Ebersberg (45km) oder in Bad Reichenhall (65km). Negative Erfahrung? Meine EC-Karte (keine Barzahlung möglich) funktionierte in Rosenheim nicht, zudem wurde die Zapfsäule für drei Tage wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Und an einem Reisesamstag vermeide ich es, wegen dem Verkehrsaufkommen an den Irschenberg zum Tanken zu fahren. Hier zeigt sich in der Praxis, dass man nicht tankt wenn die Reservelampe leuchtet, sondern wenn eine Erdgastankstelle angefahren werden kann. Dies ist so gesehen der einzige Unterschied, an den man sich meiner Meinung nach schnell gewöhnt.

Das Fahrzeug, mit dem wir unterwegs sind, ist bewusst eine rollende Werbeplattform. Beklebt mit Erdgashinweisen, Firmenaufschriften vom Autohaus Koch sowie den Stadtwerken von Schwäbisch Hall fallen wir überall durchgehend positiv auf. Der VW Passat zieht die Blicke auf sich, es ergeben sich mehrere spontane Gespräche auf Parkplätzen sowie am Straßenrand. Nebenbei indirekte Werbung für Schwäbisch Hall.  Wir treffen u. a. auf ein älteres Ehepaar, die sich vor zwei Jahren in einen 96er Audi A8 eine Gasanlage haben nachrüsten lassen. Die Fragestellung lautet jedoch meistens: Wie ist das mit dem Erdgas und wo kann man da überall tanken…

In 14 Tagen sind wir knapp 1.800 km mit Erdgas gefahren, die Nadel vom Benzintank zeigt nach der Rückkehr immer noch einen vollen Tankbehälter an. Wir haben bei fünf Tankstopps zusammengerechnet 81,5 kg Erdgas getankt und hierfür € 90,70 bezahlt. Hinzu kommen noch die € 40,- für Benzin, das nicht verbraucht wurde. Wenn wir die € 40,- für das Benzin, die ja nicht verbraucht sind, nicht mitrechnen haben wir für die Urlaubsreise pro gefahrenen km rund 5 Cent benötigt. Hochgerechnet sind das gerade einmal € 5,- pro gefahrene 100km. Zwei Drittel der Strecke war das Fahrzeug voll beladen, wir standen zudem auf der Heimreise zwei Stunden im Stau und haben es auch mal „richtig laufen lassen“.  In Anbetracht ist dieser Wert der Kilometerkosten an Kraftstoff unschlagbar. Beim Fahren an sich merkt man keinen Unterschied zu einem Fahrzeug mit rein konventionellem Kraftstoff. Das einzige ist, das man für die Tankstopps umdenken muss. Meine Skepsis gegenüber Erdgas ist gewichen, ich würde es wieder tun bzw. kann Erdgas empfehlen.

Übrigens der VW Passat Variant, mit dem wir unterwegs waren, steht beim Autohaus Koch in Schwäbisch Hall. Neben dem VW Passat stehen noch weitere Volkswagen Modelle mit Erdgasantrieb bereit, die Sie selbstverständlich auch Probefahren können.