02.02.2018 Petition zur Förderung der Elektromobilität im ländlichen Raum

Elektromobilität ist seit dem Konjunkturprogramm 2009 ein ständiger Bestandteil der Verkehrs- und Umweltprogramme der Bundesregierung. Mit verschiedenen Maßnahmen wird seitdem versucht, die Marktdurchdringung der alternativen Antriebsart zu erreichen. Das von der Bundesregierung ausgerufene Ziel bis 2020 eine Millionen zugelassene Elektrofahrzeuge in Deutschland auf die Straße zu bringen, ist Stand heute ein nahezu utopisches Ziel.
Nicht nur die noch fehlende Bereitschaft der deutschen Automobilhersteller, in diesem Sektor aktiv einzusteigen und dieses Ziel mitzutragen, auch die Programme der Bundesministerien bremsen das Potenzial der Entwicklung der Elektromobilität erheblich aus. Urbane Förderungen und Pilotprojekte, die seit 2010 angelaufen sind, wurden überwiegend nach Auslauf der Förderung wieder eingestellt, bzw. nicht weiter entwickelt. Mit den Schaufensterregionen, in denen der Einsatz von Elektromobilität im Alltag geprüft werden sollte, wurden gezielte städtische Gebiete ausgewählt und Maßnahmen zum Umstieg auf die umweltfreundliche und emissionsarme Antriebsart getroffen. So wurde beispielsweise ein elektrisches Carsharing in Stuttgart eingeführt, dass jedoch aufgrund von Verwaltungsaufwand und Kostenaspekten nicht weiterentwickelt, in 2017 sogar reduziert wurde. Das geförderte Projekt „Emis“, das die Ostalb und das Filstal mit einem Leitgedanken zur Elektromobilität verband, wurde 2015 abgeschlossen und der Ladeinfrastrukturpark in fremde Hände vergeben. Seitdem stockt auch hier der weitere Ausbau der Elektromobilität. Hindernisse für den Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur in städtischen Gebieten tragen mit dazu bei, dass die Kaufentscheidung für ein Elektrofahrzeug negativ ausfällt. So ist es dem Personenkreis, der in Mietwohnungen, bzw. in Wohnungseigentum in Mehrparteienhäusern lebt oder in Häusern ohne Garagen, kaum möglich, sich eine Lademöglichkeit für Zuhause zu schaffen. Neben den Ladekosten sind auch die Parkgebühren an den Ladesäulen ein zusätzlicher Kostenfaktor, der den Nutzer treffen würde, wenn er auf ein Elektrofahrzeug umsteigt und in stark besiedelten Räumen wohnt.
Zudem unterstützt das sehr gut ausgebaute Angebot des ÖPNV in den urbanen Räumen eher die Tendenz, vom eigenen Fahrzeug weg zu kommen, da dieses für die Bewältigung des Alltags nicht mehr von Nöten ist.
Im Gegensatz dazu zeigt der ländlich geprägte Raum in verschiedenen Regionen der Bundesrepublik Deutschland ein großes Potenzial für den Ausbau der Elektromobilität auf. So besitzen fast 65% der Einwohner in ländlich geprägten Regionen ein Eigenheim mit Garage, teilweise sogar einer Doppelgarage. Am Beispiel des Landkreis Calw ist dabei zu beachten, dass auf 155.000 Einwohner 147.500 zugelassene Fahrzeuge zu verzeichnen sind. Dabei sind aktuell lediglich 160 Fahrzeuge elektrisch betrieben. Folglich bedeutet das, dass nahezu jeder Haushalt im Landkreis zwei, wenn nicht sogar drei Fahrzeuge besitzt und diese im Alltag anwendet. Dabei zu beachten ist, dass der tägliche Weg für die Fahrtstrecken bei gerade einmal 40 km liegt, die ohne Probleme mit einem Elektrofahrzeug bewältigt werden können.

Die Vernetzung der Bürgerinnen und Bürger mit verschiedenen Institutionen in diesen ländlich geprägten Regionen, die ca. 70 % der Bevölkerung der Bundesrepublik ausmachen, ist dabei nicht zu vernachlässigen. Durch verschiedene Projekte mit Hausverwaltungen, Kirchlichen Einrichtungen, Pflegediensten, etc. lässt sich die Elektromobilität auf zahlreichen Einsatzfeldern spielerisch einbinden. Durch die Nutzung der Fahrzeuge im beruflichen Alltag, sowie im Rahmen gesellschaftlicher Projekte, lernt der herkömmliche Dieselfahrer eine neue Mobilität kennen und verliert so die Unsicherheit im Umgang mit der neuen Technologie.
Mit der Tendenz der heranwachsenden Generation, auf ein eigenes Fahrzeug zu verzichten, kann auch im Bereich des Carsharings ein erhebliches Ausbaupotenzial für die Elektromobilität gefunden werden. In Regionen, in denen die Ortschaften mehrere Kilometer auseinanderliegen, ist dies nicht nur ein Fahrzeug, sondern das Instrument, dass die Bevölkerung miteinander verbindet.
Mit rund 360 Ladepunkten ist die Stadt Stuttgart eine der führenden Städte beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektrisch betriebene Fahrzeuge.
Fast 50 km weiter weg, weist beispielsweise der Kreis Freudenstadt mit 12 Ladepunkten im gesamten Kreis eine erhebliche Lücke im Aufbau der Infrastruktur auf. Nicht zuletzt liegt das an den hohen Investitionskosten für den Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur und am wirtschaftlichen Risiko des Ladesäulenbetreibers, aufgrund der zu erwartenden niedrigen Frequenz bei der Nutzung der Säulen in diesen Regionen. Im Hinblick auf die touristischen Möglichkeiten und die Steigerung der Attraktivität dieser Regionen, ist das ein Zustand, der sich kurzfristig ändern muss.
Auch die Versorgungssicherheit in schwach besiedelten Gebieten muss gewährleistet werden können, sodass sich jede Gruppe von Akteuren, die das Leben in ländlichen Räumen mitgestalten wiederfindet. Durch den Wegfall des wirtschaftlichen Modells der Tankstellen im Hinblick auf die Ladeinfrastruktur müssen neue Partner, wie Kommunen, Hotels, Energieversorger und andere hier einspringen, um diese Versorgungssicherheit zu bieten und die Infrastruktur zum Umstieg auf die emissionsarme Antriebskraft zu fördern.

Mit den oben genannten Beispielen erschließt sich im Aufbau und der Weiterentwicklung der Elektromobilität also, dass es hierbei nicht nur um eine neue Technologie für Fahrzeuge handelt, sondern ein gesellschaftliches Themengebiet ist, dass sowohl generationsübergreifend, als auch über Branchen und Kommunen hinweg einer Vernetzung erfordert. Um diese Vernetzung aufzubauen und die Bevölkerung auf das neue Zeitalter vorzubereiten, bedarf es aktuell noch ein großes Engagement von vielen Pionieren, die hier eigenverantwortlich in die Aufklärung gehen und durch viele kleine Projekte die Elektromobilität aktuell eigenverantwortlich und selbstständig in den ländlichen Räumen fördern und fordern.

Nicht zu vernachlässigen ist der Aspekt der Umwelt und Nachhaltigkeit im ländlichen Raum. Klimaschutz im Verkehrsbereich gelingt nur, wenn alternative Fahrzeugantriebe und Kraftstoffe verstärkt und vor allem konsequent zum Einsatz kommen. Mit der Elektromobilität können nicht nur die CO2-Emission verringert werden, sondern auch die Lärmemissionen. Darüber hinaus lassen sich mit effizienten und nachhaltigen Mobilitätskonzepten, die Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen verringern. Durch intelligente Einsetzung der Fahrzeuge werden die Treibhausgase in diesen Gebieten deutlich verringert. Verbunden mit einem Nachhaltigkeitsplan zur Gewinnung des Stroms für die Fahrzeuge aus alternativen, regenerativen Energiequellen, lässt sich die Elektromobilität mit bestimmten Maßnahmen im ländlichen Raum auch mit weiteren Maßnahmen im Rahmen der Energiewende verbinden.
Die Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten und die konsequente Einhaltung der getroffenen Maßnahmen hilft sowohl den strukturarmen, als auch den touristisch stark nachgefragten Regionen bei der Steigerung der Attraktivität. Darüber hinaus steigt die Lebensqualität erheblich.

Forderungen:

Die Energie Calw GmbH, als Vorreiter der Region Nordschwarzwald in Sachen Elektromobilität, der eingetragene Verein zukunft mobil Baden-Württemberg und dessen zahlreiche Partner aus Kommunen, Wirtschaft, Gastronomie und Energiewirtschaft fordern daher die Regierung und die verschiedenen Ministerien dazu auf, gemeinsam mit den Vertretern der ländlich geprägten Regionen in der Bundesrepublik Deutschland Maßnahmen zu ergreifen, den Missstand der Weiterentwicklung der Elektromobilität in ländlichen Räumen aufzuheben und auch hier den Wandel in ein neues Zeitalter der Mobilität zu fördern.
Wir fordern daher, dass die Projekte im ländlichen Raum innerhalb des Förderprogramms der Bundesregierung mit den bereit gestellten 300 Mio. € ebenfalls gefördert werden:

  • Förderung von 50 % der Investitionskosten für den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Städten und Regionen mit einer Einwohnerzahl unter 100.000 Einwohner
  • Förderung von 60 % bei der Einführung von kommunalen Entwicklungskonzepten für die Einführung und Weiterentwicklung von Elektromobilitätskonzepten und Ladeinfrastruktur für Städte und Gemeinden mit einer Einwohnerzahl unter 100.000 Einwohnern.
  • Förderung von Projekten mit bis zu 40 % bei Einführung und Ausweitung eines elektrisch betriebenen Carsharings im ländlichen Raum
  • Förderung mit einer Quote von bis zu 80% für innovative Projekte, die den Umstieg auf Elektrofahrzeuge im Rahmen von Gemeinschaftsprojekten fördern und den Einsatz von Elektrofahrzeugen im betrieblichen, sowie privaten Alltag unter Beweis stellen. (Hausverwaltungsprojekte für internes Carhsharing, Pflegedienste mit Ausweitung auf Public Carsharing)
  • Förderung von Bereitstellung von Ladeinfrastruktur und elektrischen Touristenfahrzeugen durch die Tourismusverbände und der Hotellerie in Naturparkregionen, Regionen mit stark ausgeprägtem Tourismus und Kreisen/Regionen mit einer Übernachtungszahl von über 500.000 Übernachtungen / Jahr.
  • Förderung mit bis zu 30 % der Investitionskosten für Privatpersonen zur Installation von Ladeinfrastruktur auf dem privaten Grundstück zur privaten Nutzung.

Mit diesen Maßnahmen sehen wir einer schnellen Weiterentwicklung und dem Ausbau der Elektromobilität in ländlichen Regionen positiv entgegen. Durch diese Förderprogramme kann zielgruppenübergreifend gemeinsam an den Zielen der Bundesregierung gearbeitet werden und eine Vernetzung, sowie Versorgung der Mobilität auch in strukturschwachen Regionen gewährleistet werden. Wir freuen uns auf einen gemeinsamen Dialog mit der Politik und auf eine konstruktive Zusammenarbeit aller betroffenen Gruppen für den Umstieg in das neue Zeitalter der Mobilität.

Zur Unterstützung der Forderungen wurde eine Online-Petition eingerichtet, an der jeder unter dem folgenden Link: www.openpetition.de/petition/online/foerderung-elektromobilitaet-im-laendlichen-raum teilnehmen kann.